Was hatte ich letztes Jahr doch für Gewissensbisse wegen der Küchenschelle. Mutters Haus- und Gartenhälfte, die ich jahrelang in Pflege hatte, war noch nicht ganz verkauft, da musste ich mich entscheiden: Was lasse ich in ihrem Garten stehen, was muss unbedingt mit in meine Gartenhälfte? Ich will ja kein Unmensch sein und gerodeten Boden übergeben, sondern einen vorbildlich gepflegten Garten mit allem was dazu gehört. Ein Stück von Mutters Pfingstrose holte ich mir und Teile der ein oder anderen Staude – zum Glück auch ihre Küchenschelle.

Dann rückten die neuen Nachbarn allerdings mit einem Bagger an und mir wurde schlagartig klar: Ich war mal wieder viel zu nett und rücksichtsvoll. Aber nun gut. Besser so, als umgekehrt. Wo einst Mutters Baumpfingstrose neben der kleinen Terrasse stand, steht jetzt eine grässliche Drei-Euro-Thuja vom Baumarkt. Sie ist nur eine von vielen hässlichen, giftigen, aus meiner Sicht äußerst überflüssigen Koniferen, die die neuen Nachbarn auf ihrem Grundstück verteilten wie die Ostereier. Passend oder nicht, wo 20 Zentimeter (vermeintlich) Platz, da steht jetzt eine Thuja. Dafür wurden etliche schöne Stauden wie Unkraut herausgerissen. Aber nun ja. Langsam freunde ich mich mit den elenden Thujen an der Grundstücksgrenze an weil sie mir die Sicht auf das graue Elend versperren. Drüben blühen derzeit nur ein paar „übersehene“ Narzissen. Dafür gibt’s jede Menge billigen Deko aas Plastik oder Blech.

Meine Welt ist das nicht. Ich freue mich stattdessen, dass Mutters Küchenschelle das Umpflanzen so gut überstanden hat. Sie blüht bereits und hat nur wenig ihres ursprünglichen Umfangs eingebüßt. Herrlich. Am neuen Standort hat die Küchenschelle deutlich mehr Lehm „unter den Füßen“ und ab Mittag Sonne, drüben stand sie trockener, windiger und genoss schon frühmorgens Sonne. Beim Umpflanzen habe ich den Wurzelballen großzügig ausgestochen, um möglichst wenig Schaden anzurichten. Offensichtlich ist mir das, zumindest bei dieser Küchenschelle geglückt. Mal sehen, ob auch die Pfingstrose den Umzug von Ost nach West gut überstanden hat. Ihre Triebe sind zumindest schon zu sehen.

Fiona Amann

Fiona Amann ist Texterin & Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. Auf "Mein Blumenbild des Tages" bloggt sie über ihren Blumengarten, gibt Pflege- und Gartentipps und porträtiert besonders schöne Blumen - in Wort und Bild.
Der Blumenbote

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... bringt Ihnen in unregelmäßigen Abständen Blumenporträts in Wort & Bild, Blumenbilder und Gartentipps aus meinem Blumengarten.

Das hat geklappt. Vielen Dank.

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