Eine Verwandte aus Amerika kam vor mehr als 40 Jahren zu Besuch in ihre alte Allgäuer Heimat. Dort betrat sie neugierig den Garten ihrer Schwester Agnes und lobte alles, was sie dort entdeckte. Die beiden Schwestern waren damals schon ziemlich betagt, aber noch immer begeisterte Gärtnerinnen. In Agnes Garten wuchs damals allerlei Gemüse für den Eigenbedarf und dazu jede Menge Sommerblumen. Den ganzen Sommer über füllte Agnes ihre Vasen mit frischen Blumen aus dem eigenen Garten. Die meisten Sommerblumen zog sie aus Samen jedes Jahr neu heran. Allen voran Astern, Löwenmäulchen, Ringelblumen, einjähriger Rittersporn und wunderbar duftenden Wicken am Zaun entlang. Es war ein typischer Bauerngarten mit Wasserfass, Schuppen und einer kleinen Bank zum Rasten davor.

Mein Rosenbaum ist ein Mitbringsel aus Florida

Dort saßen nun die beiden Schwestern und schauten sich gemeinsam Agnes Gärtlein an. Da zog Babett einen ziemlich verdrückten Briefumschlag aus ihrer Handtasche und gab ihn mir: Nimm, sagte sie, das ist der Samen von meinem Rosenbaum. Der steht zu Hause in Florida in meinem Vorgarten, ist fast zwei Meter hoch und blüht rosa.

Das war alles, was ich über das mysteriöse Gehölz erfuhr und lange Zeit konnte ich mir keinen Reim daraus machen. Den geschenkten Samen säte ich dennoch alsbald in Töpfe und schon bald darauf zeigten sich dort die ersten grünen Blättchen. Drei Jahre später blühte dieser ominöse amerikanische Rosenbaum zum ersten Mal in meinem fränkischen Garten: Es war tatsächlich ein Eibisch/Roseneibisch, bei uns auch Hibiskus genannt.

Ob Rosenbaum, Hibiskus oder Roseneibisch: Dieses Gehölz ist ein Weltbürger

Anders als seine empfindlichen tropischen Schwestern, die hierzulande nur auf der Fensterbank oder im Wintergarten gedeihen, ist der Rosenbaum, Roseneibisch oder Gartenhibiskus ein ziemlich robustes Gartengehölz. Er wächst straff aufrecht, mag einen sonnigen Standort und blüht dann ab Ende Juli in Rosa, Weiß oder Violett. Er treibt im Frühling ziemlich spät aus und wird dann leider regelmäßig von Läusen heimgesucht. Dagegen hilft nur Geduld und eine gute Partnerschaft mit Marienkäfern und hungrigen Vögeln.

Die Blüten des Rosenbaums bzw. Roseneibisch sehen aus wie duftig geschwungene Glockenröcke und was das Beste ist: sie schmecken richtig lecker. Fruchtig und leicht säuerlich. Es ist wahrlich kein Wunder, dass Roseneibischblüten andernorts für Hibiskus- oder Früchtetee gesammelt werden. Nur den eigenen Hibiskus im Garten mag ich dafür nicht plündern. Die Zeit sich über die rosa Blütenröcke zu freuen, ist kurz genug.

Weitere Blumenbilder mit Hibiskus

Fiona Amann

Fiona Amann ist Texterin & Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. Auf "Mein Blumenbild des Tages" bloggt sie über ihren Blumengarten, gibt Pflege- und Gartentipps und porträtiert besonders schöne Blumen - in Wort und Bild.

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