Wie das Tränende Herz plötzlich alles ändert.

Meine Mutter war zeitlebens keine einfache Person. Erst recht nicht in ihren letzten Jahren, die ich gemeinsam mit ihr in Franken in unserem Dreigenerationenhaus erleben durfte. Was Muttern nicht wollte, wollte sie nicht. Basta. Und nur ganz selten gelang es mir, sie zum Ändern ihrer Meinung zu bewegen. Aber nicht mit Worten, sondern mit Taten und Fakten. Doch einmal gelang das Unmögliche mit einem Tränenden Herz.

Gewohnheiten und Meinungen abzulegen, fällt schwer

Nein, sprach Muttern, so eine kitschige Pflanze kommt ihr nicht ins Beet. Bei ihr hieß die Staude Herz-Jesu-Blume und schon dieser Name passte ihr nicht in den Kram. Zu katholisch, zu barock, zu verspielt und überhaupt.  Also suchte sie sich beim Staudengärtner etwas anderes aus und ich nahm mein rosa Tränendes Herz mit nach Hause. Damals hatte es nur einen einzigen blühenden Zweig und sah noch etwas dürftig aus.

Das Tränende Herz kam an den (damaligen) Rand des Westbeetes. Dort kommt die Sonne erst nachmittags hin und vom Esszimmer aus habe ich einen schönen Blick darauf. Schon zwei, drei Jahre später war aus der jungen Pflanze eine üppig blühende Prachtstaude geworden. Im Zusammenspiel mit zig Traubenhyazinthen drum herum sind ihre romantischen Herzblüten jedes Jahr echte Hingucker. Und scheinbar so begehrenswert, dass Muttern eines schönen Tages beschloss, sie braucht für ihr Morgenbeet unbedingt auch ein Tränendes Herz.

Endlich Mut zum Tränenden Herz

Seither steht auch in Mutters ehemaligen Garten ein rosa Tränendes Herz. Es ist mittlerweile noch größer und blüht üppiger als meine Staude doch mir ist das egal. Inzwischen kann ich gut darüber schmunzeln, wenn ich daran denke, wie schwierig Muttern manchmal war und am Ende doch leicht zu überzeugen – zumindest wenn es um Blumen ging. Gegen meine Rosen wetterte Muttern nämlich auch. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Weitere Blumenbilder mit Herzblüten

Das Tränende Herz. Erst verachtet, dann heiß begehrt. | An der Frühlingsstaude mit ihren markanten Herzblüten scheiden sich die Geister. Sie wird geliebt und gehasst, gilt als veraltet und ist dennoch nicht aus den Gärten wegzudenken. Aus guten Gründen: Bringt sie doch Licht und Farbe in dunkle Ecken und zaubert ein Lächeln ins Gesicht ihrer Betrachter.

Fiona Amann

Fiona Amann ist Texterin & Blumenfotografin und gärtnert leidenschaftlich gerne. Auf "Mein Blumenbild des Tages" bloggt sie über ihren Blumengarten, gibt Pflege- und Gartentipps und porträtiert besonders schöne Blumen - in Wort und Bild.

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